Alexander Meyer B.Eng.
Teamleiter | Vertrieb

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Steigende Energiepreise, verschärfte regulatorische Anforderungen und ambitionierte Klimaziele führen dazu, dass die Emissionen von Unternehmen zunehmend in den Fokus rücken. Neben direkten Emissionen gewinnen insbesondere sogenannte Scope-2-Emissionen an Bedeutung. Diese entstehen durch den Bezug von eingekaufter Energie wie Strom, Wärme oder Kälte und machen in vielen Unternehmen einen wesentlichen Anteil der gesamten CO₂-Bilanz aus.
Vor diesem Hintergrund kommt der systematischen Erfassung und Reduzierung von Scope-2-Emissionen eine zentrale Rolle für eine nachhaltige und wirtschaftliche Unternehmensentwicklung zu.
Scope-2-Emissionen bezeichnen indirekte Treibhausgasemissionen, die durch den Bezug von eingekaufter Energie entstehen. Hierzu zählen insbesondere Strom, aber auch Fernwärme, Fernkälte oder Dampf, die außerhalb des Unternehmens erzeugt und anschließend genutzt werden. In der Praxis betrifft dies vor allem den Strombezug aus dem öffentlichen Netz.
Obwohl die Emissionen nicht direkt am Unternehmensstandort entstehen, werden sie dem Unternehmen zugerechnet, da sie eine unmittelbare Folge des eigenen Energieverbrauchs sind. Insbesondere in energieintensiven Unternehmen machen Scope-2-Emissionen häufig einen wesentlichen Anteil der gesamten CO₂-Bilanz aus und sind daher ein zentraler Ansatzpunkt für Klimaschutzmaßnahmen.
Zur systematischen Erfassung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen hat sich das international anerkannte Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) als Standard etabliert.
Es unterteilt Emissionen in drei Kategorien, die sogenannten Scopes:
- Scope 1: Direkte Emissionen aus Quellen, die sich im Besitz oder unter der Kontrolle eines Unternehmens befinden
- Scope 2: Indirekte Emissionen aus der Erzeugung von eingekaufter Energie, insbesondere Strom, Wärme, Kälte oder Dampf
- Scope 3: Weitere indirekte Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette eines Unternehmens
Scope-2-Emissionen nehmen dabei eine zentrale Rolle ein, da sie die Schnittstelle zwischen direkt kontrollierbaren Emissionen und weiter vorgelagerten oder nachgelagerten Einflüssen darstellen. Durch diese Abgrenzung können energiebedingte Emissionen transparent erfasst und gezielt gesteuert werden, ohne sie mit direkten Verbrennungsprozessen oder komplexeren Emissionen entlang der Wertschöpfungskette zu vermischen.
Die Berechnung von Scope-2-Emissionen basiert grundsätzlich auf dem Energieverbrauch eines Unternehmens sowie den jeweils anzuwendenden Emissionsfaktoren. Diese geben an, welche Menge an Treibhausgasen – insbesondere Kohlendioxid (CO₂) – bei der Nutzung eines bestimmten Energieträgers freigesetzt wird.
Ausgangspunkt der Berechnung sind die vom Unternehmen bezogenen Energiemengen, insbesondere Strom, Wärme oder Kälte, die üblicherweise in Kilowattstunden erfasst werden. Diese Verbrauchsdaten werden anschließend mit den entsprechenden Emissionsfaktoren multipliziert, um die daraus resultierenden Treibhausgasemissionen zu bestimmen.
Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) sieht hierfür zwei unterschiedliche Berechnungsansätze vor, die je nach Zielsetzung parallel angewendet werden können.
Standortbasierte Methode (Location-based Ansatz): Bei der standortbasierten Methode werden Scope-2-Emissionen auf Grundlage des durchschnittlichen Emissionsfaktors des jeweiligen regionalen oder nationalen Stromnetzes berechnet. Sie bildet ab, wie emissionsintensiv die Stromerzeugung am jeweiligen Standort im Durchschnitt ist, unabhängig von individuellen Beschaffungsentscheidungen eines Unternehmens. Diese Methode eignet sich insbesondere für übergeordnete Vergleiche zwischen Standorten, Regionen oder Ländern.
Marktbasierte Methode (Market-based Ansatz): Die marktbasierte Methode berücksichtigt darüber hinaus die konkrete Strombeschaffung eines Unternehmens. In die Berechnung fließen unter anderem vertragliche Vereinbarungen wie Herkunftsnachweise, Grünstromtarife oder Power Purchase Agreements (PPAs) ein. Dadurch wird sichtbar, welchen Einfluss strategische Beschaffungsentscheidungen auf die bilanzierten Scope-2-Emissionen haben. Diese Methode gewinnt insbesondere im Kontext von Klimastrategien und Nachhaltigkeitsberichterstattung zunehmend an Bedeutung.
Die Bedeutung von Scope-2-Emissionen variiert je nach Energieverbrauch und Versorgungsstruktur eines Unternehmens. So verursacht ein produzierender Industriebetrieb mit hohem Strombedarf in der Regel deutlich höhere Scope-2-Emissionen als ein Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor.
Wird Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen, orientieren sich die daraus resultierenden Emissionen am jeweiligen nationalen Strommix. Erfolgt die Energieversorgung hingegen über Fernwärme, entstehen die entsprechenden Emissionen bei der zentralen Wärmeerzeugung und werden dem Unternehmen anteilig zugerechnet.
Die dargestellten Beispiele verdeutlichen, dass Scope-2-Emissionen branchenübergreifend relevant sind, jedoch in Abhängigkeit von Energiebedarf und Versorgungsart unterschiedlich stark ins Gewicht fallen.
Die Reduktion von Scope-2-Emissionen setzt primär beim Energiebezug sowie beim Energieverbrauch eines Unternehmens an. Ein zentraler Ansatz besteht im Umstieg auf Strom aus erneuerbaren Energien, beispielsweise durch zertifizierte Grünstromtarife oder langfristige Lieferverträge wie Power Purchase Agreements (PPAs).
Darüber hinaus können Unternehmen durch den Einsatz eigener Erzeugungsanlagen, etwa Photovoltaiksysteme, ihre Abhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz reduzieren. Staatliche Förderprogramme können dabei den wirtschaftlichen Einstieg in die Eigenstromerzeugung unterstützen.
Ergänzend kommt Energieeffizienzmaßnahmen eine wesentliche Bedeutung zu: Eine Reduktion des Strom- und Wärmeverbrauchs führt unmittelbar zu einer Verringerung der damit verbundenen Scope-2-Emissionen. Entscheidend ist hierbei ein ganzheitlicher Ansatz, der Energiebezug, technische Infrastruktur und Verbrauchsverhalten integriert betrachtet.
Scope-2-Emissionen entstehen durch die Erzeugung eingekaufter Energie, insbesondere von Strom und Wärme, und machen in vielen Unternehmen einen wesentlichen Anteil der gesamten CO₂-Bilanz aus. Eine nachhaltige Reduzierung dieser Emissionen erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl ökologische Zielsetzungen als auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigt.
Neben der systematischen Erfassung und Bewertung von Energieverbräuchen kommt insbesondere der strategischen Ausrichtung der Energieversorgung eine zentrale Bedeutung zu. Dazu zählen unter anderem die Optimierung des Energieeinsatzes, der Bezug von emissionsärmeren Energieträgern sowie die gezielte Auswahl von Liefermodellen, beispielsweise durch den Einsatz von Grünstromverträgen oder Power Purchase Agreements (PPAs).
Darüber hinaus gewinnt die Integration von Scope-2-Emissionen in übergeordnete Klimastrategien und Managementsysteme zunehmend an Bedeutung. Unternehmen können dadurch nicht nur ihre Emissionen reduzieren, sondern auch regulatorische Anforderungen erfüllen und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärken.

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